
Seit Mäusje am 10.10.2025 gestorben ist, bekomme ich immer wieder dieselbe Frage gestellt: „Magst du dir nicht wieder eine Katze holen? Vielleicht ein neues Tier?“ Ich weiß, dass diese Frage in den meisten Fällen liebevoll gemeint ist. Viele Menschen sehen meinen unsagbaren Schmerz, meine Trauer, die Leere, die Mäusje hinterlassen hat. Sie wollen trösten, Hoffnung geben, vielleicht ein kleines Licht in all dem Dunkel entzünden. Doch ganz am Anfang, als Mäusje noch nicht einmal ein paar Tage tot war, haben mich solche Fragen tief getroffen. Sie kamen sogar von fremden Menschen, die nur mitbekommen hatten, wie sehr ich litt. Für sie war es gut gemeint – für mich war es kaum auszuhalten. Denn Mäusje kann man nicht ersetzen. Und ein neues Tier würde den Schmerz über seinen Verlust niemals schmälern. Diese Fragen haben mich dazu gebracht, über all die Gründe nachzudenken, warum ich kein Haustier mehr bekommen kann – und warum Mäusje immer mein Ein und Alles bleiben wird.
Warum ich kein Haustier mehr bekommen kann
Es gibt Entscheidungen im Leben, die man nicht trifft, weil man nicht möchte, sondern weil man ehrlich zu sich selbst sein muss. Die Frage, ob ich mir wieder ein Haustier anschaffen könnte, wird mir seit dem Verlust von Mäusje sehr häufig gestellt. Und obwohl mir manchmal das eine oder andere nicht aus dem Kopf geht, weiß ich tief in mir: Ich kann kein Haustier mehr bekommen. Nicht jetzt, und wahrscheinlich auch nicht in Zukunft. Mäusje war nicht einfach ein Tier. Er war mein Begleiter, mein Halt, mein Mittelpunkt, mein Kind, mein Ein und Alles. Die Liebe zu ihm ist nicht vergangen, sie ist ein Teil von mir geblieben und wird es auch immer bleiben. Kein neues Tier könnte diese Verbindung ersetzen oder auch nur annähernd berühren. Und gerade deshalb würde ein neues Tier nicht Trost bringen, sondern eher den Schmerz verstärken, weil es nicht er ist. Die Gedenkecken, die Urnen, sein Fell, das ich von ihm habe – all das ist nicht nur Erinnerung, sondern Ausdruck einer Liebe, die weiterlebt. Ich brauche diese Nähe zu ihm, und sie ist mir wichtiger als die Vorstellung, wieder ein Tier im Haus zu haben.
Wie alles begann – und wie sich mein Leben veränderte
Als ich Mäusje 2008 bekam, war meine psychische und finanzielle Situation noch nicht so wie heute. Ich hatte zwar schon mein ganzes Leben lang mit Depressionen und der kPTBS zu kämpfen, aber ich funktionierte noch. Ich konnte arbeiten und hatte mich im Frühjahr 2009 sogar mit einem Kleintransportunternehmen selbstständig gemacht. 2010 kam dann der komplette Absturz, und 2013 war ich schließlich so krank, dass ich seitdem in Erwerbsminderungsrente bin. Mit dieser Zeit begannen auch die finanziellen Ängste und Sorgen – die ständige Angst, irgendwann eine Tierarztrechnung nicht mehr bezahlen zu können. Und damals waren die Tierarztkosten noch lange nicht so explodiert wie heute nach den Erhöhungen der GOT.
Ich lebte damals auch noch viele Jahre mit meiner damaligen Lebensgefährtin zusammen, und die eine oder andere Tierarztrechnung konnte ich in Raten zahlen, vor allem bei meinem letzten Tierarzt. Und ich hatte mit Mäusje unfassbares Glück: Er war – abgesehen vom letzten Jahr und ein paar früheren Phasen, in denen er viel erbrach – nie wirklich krank. Zwei größere Rechnungen gab es in all den 17 Jahren, und das waren die FORL‑Zahn-OPs. Gott hat uns da wohl viel geholfen und beigestanden. Aber auf so ein Glück kann man nicht bauen. Für Mäusje hätte ich mein letztes Geld gegeben und würde es selbstverständlich immer noch tun, wenn er wieder da wäre. Lieber würde ich trockenes Brot essen, als ihn nicht versorgen zu können. Und selbstverständlich findet sich in größter Not immer eine Lösung. Aber das ändert nichts an den Gründen, die nun einmal nicht von der Hand zu weisen sind – und auch nicht daran, dass Mäusje immer mein Ein und Alles bleibt.
Die finanziellen Grenzen, die ich nicht ignorieren kann
Heute ist die Realität eine andere. Nach meinen Fixkosten bleiben mir monatlich rund 400 Euro für mich selbst – für Essen, Trinken, Kleidung, Hygieneartikel und so weiter. Das reicht gerade so, vor allem, weil die letzten Jahre auch der Lebensunterhalt um einiges teurer geworden ist. Ein Haustier bedeutet aber laufende Kosten für Futter, Streu und vor allem Tierarztbesuche. Seit der Erhöhung der Gebühren kostet selbst ein kleiner Notdienst-Besuch schnell mehrere hundert oder sogar tausend Euro. Ohne Ersparnisse führt das sofort in eine finanzielle Krise. Ein Tier verdient Sicherheit, nicht die ständige Angst, dass ein Notfall unbezahlbar wird. Und genau diese Angst begleitet mich seit Jahren.
Die Unsicherheit der Tierarztwege
Ich wohne in Hoppstädten-Weiersbach. Die Tierärzte in der Umgebung – Birkenfeld, Idar-Oberstein, Kronweiler – sind ohne eigenes Auto nur schwer und langsam zu erreichen. Das Auto, das ich nutzen kann, gehört meiner Mutter. Wenn sie einmal nicht mehr da ist, habe ich kein Auto mehr. Ein krankes Kätzchen im Bus zu transportieren, bedeutet extremen Stress für das Tier. Und im Notfall zählt jede Minute. Diese Unsicherheit wäre für mich kaum auszuhalten, zumal ich diese Angst schon früher stark in mir getragen habe.
Keine Menschen, die im Notfall einspringen könnten
Hinzu kommt, dass ich niemanden habe, der im Notfall einspringen könnte. Wenn ich ins Krankenhaus müsste oder eine Klinik bräuchte, wäre niemand da, der sich um ein Tier kümmern könnte. Diese Realität hat mich schon bei Mäusje davon abgehalten, rechtzeitig Hilfe für mich selbst zu suchen. Ein neues Tier würde mich wieder in dieselbe Falle bringen: dass ich mich selbst vernachlässigen muss, weil ich niemanden habe, der einspringen kann. Ein Haustier braucht ein stabiles Umfeld und Menschen, die im Ernstfall übernehmen können. Ich habe dieses Netzwerk einfach nicht.
Die psychische Belastung, die Verantwortung unmöglich macht
Ich lebe mit schweren Verlustängsten, Depression, kPTBS und einer schnellen Überforderung. Schon früher hatte ich Panik, wenn Mäusje erbrach oder etwas nicht stimmte, weil ich einfach große Angst um ihn hatte und gleichzeitig Angst vor den Kosten und der Frage, ob ich rechtzeitig zum Tierarzt kommen würde. Diese Ängste sind heute stärker als je zuvor. Ein neues Tier würde sie nicht lindern, sondern verstärken. Es würde mich in eine Verantwortung bringen, die ich emotional nicht tragen kann.
Die Wahrheit, die bleibt
All diese Gründe führen zu einer klaren Wahrheit: Ich kann kein Haustier mehr bekommen. Nicht, weil ich nicht lieben kann – im Gegenteil. Ich liebe so tief, dass ich weiß, wie viel Verantwortung damit verbunden ist. Und ich weiß, dass ich diese Verantwortung heute nicht mehr tragen kann, ohne mich selbst zu verlieren oder ein Tier in Unsicherheit zu bringen. Was bleibt, ist die Liebe zu Mäusje. Ich habe für ihn meine Gedenkecken, seine Urnen, sein Fell, meine Erinnerungen. Sie geben mir Halt. Sie erinnern mich daran, dass Liebe nicht endet, nur weil ein Leben endet. Ich muss sie nicht ersetzen. Ich darf sie einfach behalten.
Euer Patrick
(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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