11 Wochen Psychiatrie, Trauer und eine Vagusnervstimulator-OP

Außenansicht einer modernen Klinik in Deutschland mit mehreren Etagen, Balkonen und gepflegtem Vorplatz, umgeben von grüner Hügellandschaft.

In den letzten Monaten war es still um mich – auf meinem Blog und auch im persönlichen Austausch. Diese Stille hatte ihre Gründe. Ich habe eine intensive Zeit hinter mir, geprägt von einem elfwöchigen Aufenthalt in der Psychiatrie, einer längeren Operation und einem emotionalen Abschied von meinem geliebten Seelenkater Mäusje. Was ich in dieser Zeit erlebt habe, wie es mir dabei und danach ergangen ist und warum ich mich nun erst einmal von allem erholen muss, möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen.

Warum es so lange still war


Seit vielen Wochen war es ungewohnt ruhig auf meinem Blog und auch von mir persönlich hat man kaum etwas gehört. Diese Stille hatte Gründe, die ich nun endlich aufschreiben möchte. Die vergangenen Monate waren geprägt von tiefer Trauer und einem Aufenthalt in der Psychiatrie in Idar-Oberstein – insgesamt elf Wochen, die mich körperlich wie seelisch an meine Grenzen gebracht haben.


Behandlungen, Hoffnungen und Enttäuschungen


Während dieser Zeit erhielt ich sechzehn Elektrokrampftherapien. In der Vergangenheit hatten sie mir schon einmal geholfen, doch diesmal blieb jede Wirkung aus. Zwischen dem 4.12.25 und dem 8.12.25 war ich auf der Neurochirurgie zur Implantation des Vagusnervstimulators. Auch dort war das Personal freundlich und sehr bemüht. Trotzdem war es eine zusätzliche Belastung in einer Zeit, in der ich ohnehin kaum noch Kraft hatte. Die Operation dauerte rund vier Stunden und für mich war es so etwas wie der letzte mögliche Behandlungsansatz. Aktivieren können wir das Gerät momentan jedoch nicht. Bereits bei der ersten, sehr niedrig eingestellten Stimulation (0,25mA) reagierte mein Körper mit massiven Nebenwirkungen: Angstzustände, Herzrasen, innere Panik. Rückblickend ist das kaum verwunderlich, denn mein gesamtes Nervensystem ist durch die vielen Belastungen der letzten Monate völlig überreizt: die tiefe Trauer um meinen geliebten Kater Mäusje, die EKT-Serie, die Operation, der lange Klinikaufenthalt, meine Misophonie, die Depression, die komplexe PTBS und vieles mehr. Ich bin schlicht am Limit und muss mich erst einmal von all dem erholen – eine Aufgabe, die sich im Moment wie ein unüberwindbarer Berg anfühlt.


Abschied von Mäusje


Ein besonders schmerzhafter Punkt der letzten Monate war der Verlust meines Seelenkaters Mäusje. Seine Asche kam am 22.10.2025 zurück – ein Tag, an dem alles viel zu schnell gehen musste, weil ich direkt danach in die Psychiatrie gebracht wurde. Für einen würdevollen Abschied blieb damals kein Raum. Erst jetzt konnte ich ihm die letzte Ruhe geben, die er verdient. Die erste Urne, die ich über Amazon gekauft hatte, war völlig ungeeignet und qualitativ miserabel. Ich habe sie schließlich mit seinem Fell und einer Kralle befüllt und auf seinem zweiten Kratzbaum im Schlafzimmer aufgestellt. Für seine eigentliche Asche habe ich eine handgefertigte, personalisierte Urne aus Lettland anfertigen lassen – ein Tipp von Catsimo by Nadine aus Idar-Oberstein. Diese Urne ist ein kleines Kunstwerk. Das Tabby-Muster wurde so liebevoll umgesetzt, dass es mich tief berührt hat. Endlich konnte ich in Ruhe Abschied nehmen. Jetzt hat mein Schatz einen würdevollen Platz, der ihm gerecht wird.


Die letzen Wochen Psychiatrie: ein wahrer Albtraum


Die ersten gut neun Wochen in der Psychiatrie waren trotz allem erträglich. Ich hatte durchweg Mitpatienten, mit denen ich sehr gut auskam und sowohl Pflege als auch Ärzteteam gaben sich viel Mühe. Trotzdem wurde mein Zustand von Woche zu Woche schlechter. Jede EKT setzte meinem Nervensystem weiter zu, statt Erleichterung zu bringen. Ab etwa Weihnachten kippte die Situation komplett – vor allem im Januar. Ich kam mit den neuen Mitpatienten im Zimmer überhaupt nicht zurecht. Die hygienischen Zustände, vor allem im Bad, waren teilweise katastrophal und durch meine ausgeprägte Misophonie waren die ständigen Geräusche – Nase hochziehen, den ganzen Tag schnarchen, Essgeräusche, Unruhe – kaum auszuhalten. Ich bat mehrfach darum, in ein anderes Zimmer verlegt zu werden. Es gab sogar ein ruhigeres Zimmer mit freien Betten. Doch man sagte mir immer wieder, es sei nichts frei. Patienten reden miteinander – und so wusste ich, dass das schlicht nicht stimmte. Ich hasse nichts mehr als Unehrlichkeit, und in meinem Zustand fühlte sich das wie ein Schlag ins Gesicht an. Über Weihnachten war ich ein paar Tage allein im Zimmer, was ich ausdrücklich positiv erwähnen möchte. Doch selbst diese kurze Ruhephase konnte mein völlig überlastetes Nervensystem nicht mehr auffangen.


Zurück zu Hause – aber noch lange nicht zurück im Leben


Seit drei Wochen bin ich nun wieder zu Hause. Doch von Erholung kann bisher kaum die Rede sein. Die tiefe Trauer um Mäusje begleitet mich jeden Tag, und die innere Anspannung, die sich vor allem in den letzten Klinikwochen aufgebaut hat, sitzt mir immer noch in den Knochen. Immerhin gab es einen kleinen Lichtblick: Gestern bin ich zum ersten Mal seit über 15 Wochen ohne Nervosität aufgewacht. Heute war es wieder anders, aber nicht annähernd so schlimm wie zuvor. Ein winziger Schritt – aber ein Schritt. Mein Antrieb ist weiterhin fast nicht vorhanden, die Depression tief. Wie es weitergehen soll, weiß ich im Moment selbst nicht. Vielleicht werde ich die empfohlene EMDR-Therapie ausprobieren, auch wenn ich große Angst davor habe, weil eine frühere Traumatherapie mich stark destabilisiert hat. Und irgendwann, wenn ich wieder etwas stabiler bin, werde ich auch den Vagusnervstimulator erneut testen. Zu verlieren habe ich nichts mehr – aber die Angst vor den Nebenwirkungen sitzt tief.


Ein vorsichtiger Blick nach vorn


Ich hoffe, dass die nächsten Wochen etwas Ruhe bringen und mein Nervensystem sich zumindest ein Stück weit erholen kann. Im Moment ist alles eine Mammutaufgabe, aber ich versuche, Schritt für Schritt weiterzugehen.


Euer Patrick

(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

2 Kommentare

Kommentare

2 Antworten zu „11 Wochen Psychiatrie, Trauer und eine Vagusnervstimulator-OP“

  1. Michael Rabolt

    WOW , stark geschrieben …. Wahnsinn, was für eine schwere Momente du hinter dir hast ! Du bleibst bei allem nicht liegen, sondern stehst wieder auf !
    Deine direkte Art aus dieser Zeit zu berichten , davon kann man wichtige was lernen .
    Obwohl am Boden , treibt dich doch eine Energie in dir weiter .
    Respekt dafür

    1. Vielen Dank für deine netten Worte.Ja, irgendwas in mir lässt mich doch jedes Mal weiterkämpfen, und ich gebe mein Bestes, auch wenn ich an manchen Tagen einfach gerne aufgeben würde.

      Ganz liebe Grüße und ich wünsche dir noch einen schönen Restabend und alles Gute, Patrick.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Die Angabe von Name, E-Mail-Adresse und Website (sofern vorhanden) erfolgt freiwillig und ist nicht erforderlich. Es werden keine IP-Adressen gespeichert. Bitte beachte, dass bei Eingabe von Name und/oder Website diese Informationen öffentlich sichtbar sind. Eine anonyme Kommentierung ist möglich, sofern keine personenbezogenen Daten angegeben werden.