kPTBS – Leben mit Traumafolgen und Depression

Fußspuren auf einsamem Feldweg im Nebel – Symbol für kPTBS - komplexe posttraumatische Belastungsstörung

In diesem Beitrag teile ich meine persönliche Reise mit komplexer posttraumatischer Belastungsstörung (kPTBS) und den damit verbundenen psychischen Erkrankungen. Es geht um die Schattenseiten des Lebens, die unsichtbaren Kämpfe und die unbeschreibliche Leere, die mit einer Depression einhergeht. Oft wird psychische Erkrankung stigmatisiert, als Schwäche oder Ausrede abgetan – doch was bleibt, wenn man sich nicht mehr verstecken kann? Wie fühlt es sich an, in einer Welt zu leben, die einem fremd geworden ist und wie kann man trotz allem weiter existieren? In diesem Beitrag erzähle ich nicht von Heilung, sondern von Akzeptanz, von den Narben, die uns prägen und von dem Mut, sich den Dämonen zu stellen. Es ist kein Appell zur Hoffnung, sondern zur Wahrheit und zur Bereitschaft, sich nicht länger zu verstecken.

Einleitung

Warum ich diesen Beitrag schreibe? Weil ich aufklären will und zeigen möchte, was es bedeutet, mit psychischen Erkrankungen zu leben, die durch eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) ausgelöst wurden. Und weil ich anderen Mut machen will, ihr Schweigen zu brechen. Denn Schweigen ist oft der erste Schritt in den Abgrund – und Reden kann der erste Schritt hinaus sein. Ich weiß, wie schwer es ist, sich zu öffnen. Man macht sich verletzlich. Und statt Unterstützung bekommt man oft Ablehnung. Man wird als faul abgestempelt, als Simulant, als Gefahr für die Gesellschaft – wie von gewissen Politikern und Teile der Gesellschaft. Dabei ist psychische Krankheit kein Makel. Sie ist ein täglicher Kampf, der alles kosten kann. Ich habe vieles erlebt: Gewalt, Manipulation, den Suizid meines Bruders, Suchterkrankungen, Depression, Essstörungen, Panikattacken, Dissoziationen. Ich habe Therapien gemacht, Medikamente genommen, gehofft – und wurde enttäuscht. Aber ich bin noch hier. Und ich will ehrlich sein. Für mich, andere und alle, die glauben, sie seien allein.

Was ist Depression?

Depression ist nicht einfach „traurig sein“. Es ist viel mehr oder besser gesagt: viel weniger. Es ist das völlige Fehlen von allem. Weder Freude, noch Hoffnung oder Liebe. Nur Leere. Eine Leere, die wie ein Stein auf einem lastet. Ich fühle mich ständig niedergeschlagen, habe keinen Antrieb, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen, Angstzustände, Panikattacken, Verlustängste, Misophonie. Ich fühle mich wertlos, erschöpft, innerlich tot. An manchen Tagen kann ich mich nicht versorgen – kein Essen im Haus, keine Kraft zum Duschen, Kochen, Aufräumen. Ich liege im Bett, gefesselt von einer unsichtbaren Macht. Freude? Gibt es nicht. Hoffnung? Schon lange nicht mehr. Liebe? Ich habe sie nicht mehr gespürt. Nur diese völlige Leere. Depression ist ein Gefängnis und oft auch ein Todesurteil.

Was ist kPTBS?

Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung entsteht durch wiederholte, langanhaltende Traumata. In meinem Fall: Gewalt, psychische Erniedrigung, Manipulation – vom Säuglingsalter bis ins Erwachsenenleben. Mein Erzeuger war ein Täter. Ein Mensch, der töten wollte. Meine Mutter, mein Bruder, ich – wir waren seine Ziele. Der Suizid meines Bruders mit 22 Jahren war der Moment, in dem auch ein Teil von mir starb. Damals war ich 15, vier Wochen vor meinem 16. Geburtstag. Von da an war nichts mehr wie vorher. Ich habe Flashbacks, Intrusionen, Albträume, rieche Dinge, die nicht da sind – wie den Geruch der Leichenhalle. Ich dissoziiere und verliere das Zeitgefühl. Manchmal gehe ich wandern, bin schon einige Kilometer gelaufen und habe nicht mitbekommen, wie ich an diesen Ort gelangt bin – das Dazwischen fehlt einfach, so, als wäre ich in Trance gewesen. Ich habe Pseudodemenz, Erinnerungslücken, soziale Ängste, Anpassungsstörungen. Ich vertraue niemandem mehr. Menschen sind für mich eine Bedrohung.

Die Auswirkungen der kPTBS auf den Alltag

Meine Erfahrungen mit kPTBS sind nicht nur in den Momenten des Erinnerns oder der Flashbacks präsent, sie begleiten mich durch den gesamten Alltag. Wenn ich morgens aufwache, ist die erste Herausforderung schon, aus dem Bett zu kommen. Der Gedanke an den Tag, an das, was noch zu erledigen ist, löst häufig Angst und völlige Überforderung aus. Manchmal ist die Erinnerung an das, was ich durchgemacht habe, so überwältigend, dass ich kaum fähig bin, den Raum zu verlassen, in dem ich mich gerade befinde. Die Welt fühlt sich ständig unsicher an. Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, mein Körper gehört nicht mehr zu mir. Ich fühle mich „abgeschnitten“, als ob ich nur ein Beobachter meines eigenen Lebens bin. Ein Teil von mir, der sich in diese Welt hineinmanövriert hat, ohne je wirklich dazugehören zu können.

Wenn ich Bilder aus meiner Kindheit, Jugend oder frühem Erwachsenenleben ansehe, fühlt es sich einfach nur fremd an – ich weiß, dass ich das bin und trotzdem ist mir die Person fremd. Ich kann an dem Geschehenen nichts ändern, aber ich kann es immer wieder durchleben – durch die Flashbacks, die die Realität überlagern und mich an die schlimmsten Momente meines Lebens zurückversetzen. Besonders schwierig ist es, mit der ständigen Nervosität umzugehen. Ich habe gelernt, dass der Körper ein Gedächtnis hat, das über die Vernunft hinausgeht. Der Herzschlag beschleunigt sich ohne Grund, die Hände werden kalt und feucht, der Magen verkrampft sich und diese körperlichen Reaktionen können eine Kettenreaktion auslösen, die schwer zu stoppen ist.

Die Reise durch Therapie und Medikamente

Ich habe viele Therapien ausprobiert. Die Suche nach dem richtigen Ansatz war lang, schmerzhaft und ohne Erfolg. Zu Beginn fühlte ich immer noch eine gewisse Hoffnung. Aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass nichts die Leere füllen konnte. Psychotherapie half mir, gewisse Mechanismen zu verstehen, aber der Schmerz selbst konnte nicht verschwinden. Auch die vielen Medikamente, die ich ausprobiert habe, brachten nicht die erhoffte Erleichterung. Zunächst hatte ich gehofft, dass sie mir zumindest einen Moment der Ruhe verschaffen würden. Aber die Nebenwirkungen waren oft genauso belastend wie die Symptome selbst. Es war eine endlose Odyssee durch Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und das Gefühl, dass keine Substanz die tiefe Leere in mir ausfüllen konnte.

Gesellschaftliche Wahrnehmung und Stigmatisierung

Eine der schwierigsten Hürden war für mich immer die gesellschaftliche Wahrnehmung. Psychische Erkrankungen – besonders solche, die durch traumatische Erlebnisse ausgelöst wurden – sind nicht nur schwer zu verstehen, sondern oft auch stigmatisiert. In der Gesellschaft wird man schnell als „schwach“ oder „versagerhaft“ abgestempelt, wenn man nicht in der Lage ist, „normal“ zu funktionieren. Dabei ist der „normale“ Alltag für jemanden mit kPTBS eine gigantische Herausforderung. Jede noch so kleine Aufgabe, wie das Einkaufen oder das Treffen mit anderen Menschen, kann zur Monsteraufgabe werden. Doch anstatt Mitgefühl und Unterstützung zu erfahren, wird man oft als Last angesehen. Für viele ist es schwer zu begreifen, dass die Symptome einer psychischen Erkrankung genauso real sind wie körperliche Schmerzen. Die Unsichtbarkeit dieser Störungen führt zu einem Mangel an Empathie und Verständnis. Das hat mich oft noch tiefer in die Isolation geführt.

Praktische Tipps für den Umgang mit kPTBS und Depression

Es gibt Tage, da fühlt sich alles unüberwindbar an. Doch auch wenn die Heilung ein weit entferntes Ziel bleibt, kann man lernen, kleine Schritte zu gehen. Der erste Schritt, der mir geholfen hat, war, die Kontrolle über das eigene Leben zu akzeptieren – auch wenn sie oft nicht in meinen Händen liegt. Die kleinen Siege – ein Schritt aus dem Bett, ein Gespräch mit einem Arzt, ein Tag ohne Rückzug – sind für mich mittlerweile von unschätzbarem Wert. Es hat mir auch geholfen, zu akzeptieren, dass ich niemandem mehr vertraue und dass dieses Misstrauen nicht aus Willkür, sondern aus Erfahrung gewachsen ist. Dennoch lebe ich in einer Welt, die Vertrauen beinahe voraussetzt, in Beziehungen, in Begegnungen, im Alltag. Und obwohl ich mich innerlich oft zurückziehe und Menschen als potenzielle Bedrohung empfinde, versuche ich, mich nicht vollständig zu verschließen – nicht aus Hoffnung, sondern aus dem Wunsch, mich selbst nicht zu verlieren. Ich habe gelernt, dass es nicht immer die großen Dinge sind, die uns retten. Manchmal sind es die kleinen Momente der Verbindung, die das Leben erträglicher machen.

Wie ich gelernt habe, damit umzugehen

Ich habe viele Therapien gemacht – ambulant, stationär, Traumatherapie, Elektrokrampftherapie. Ich habe über 20 Medikamente ausprobiert. Nichts hat geholfen, bis auf die Elektrokrampftherapie, diese aber auch nur für eine sehr begrenzte Zeit. Manche Therapien haben mich sogar verschlimmert. Ich habe gelernt: Nicht jede Wunde lässt sich heilen. Was mir geholfen hat? Akzeptanz. Die Erkenntnis, dass es so ist, wie es ist. Dass ich keine Hoffnung mehr habe – und genau das hat mich davor bewahrt, immer wieder enttäuscht zu werden. Ich lebe ohne Hoffnung auf Besserung. Und das ist mein Weg, nicht ganz an der kPTBS und der Depression zu zerbrechen.

Was andere Menschen daraus lernen können

Wenn du ähnliches erlebt hast: Du bist nicht allein, kein Einzelfall und schon gar kein Paradiesvogel. Es gibt viele, denen es so geht. Und es ist wichtig, darüber zu sprechen. Denn Schweigen schützt nur die Täter. Brich dein Schweigen. Such dir Hilfe. Und wenn du kannst, zieh die Täter zur Rechenschaft. Ich habe es nicht getan. Und das nagt an mir. Aber ich spreche darüber. Offen, ehrlich und ungefiltert. Weil es wichtig ist.

Schlussfolgerung

Dieser Beitrag ist kein Hilferuf. Es ist ein Weckruf. Für eine Gesellschaft, die endlich hinschauen muss, für Menschen, die glauben, sie seien zu kaputt, um gehört zu werden und für alle, die kämpfen.

Euer Patrick

(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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