
Seit über einem Jahr fehlt mir jeglicher Antrieb. Die Depression hat mich fest im Griff und selbst einfache Dinge wie Duschen oder Kochen sind zur Herausforderung geworden. Wandern, einst ein wichtiger Teil meines Alltags, habe ich komplett aufgegeben. In den letzten Wochen war ich gar nicht mehr draußen. Doch nun habe ich begonnen, mich wieder zu bewegen – langsam, vorsichtig, mit kleinen Touren, um den inneren Dämonen entgegenzutreten.
Meine inneren Dämonen – und wie ich wieder den ersten Schritt vor die Tür geschafft habe
Seit über einem Jahr habe ich das Wandern fast vollständig schleifen lassen. Der Antrieb war weg, die Depression hatte mich fest im Griff und ich kämpfte erneut gegen die dunklen Mächte in mir – ich nenne sie meine inneren Dämonen. Wie ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben habe, war ich in den letzten Monaten kaum draußen unterwegs und die letzten vier Wochen sogar gar nicht mehr. Doch das hat sich nun geändert. Seit vergangenen Donnerstag bin ich wieder ein wenig walken gewesen. Keine großen Touren, einfach kleine Strecken, um langsam wieder reinzukommen.
Körperlich habe ich stark abgebaut und die ersten zwei Tage haben mich enorm angestrengt. Die Touren lagen zwischen sechs und acht Kilometern. Im Gegensatz zu meinen früheren Touren ein kleiner Spaziergang, für mich aber momentan eine echte Herausforderung, besonders bei der Hitze der letzten Tage. Ich habe in den letzten Monaten massiv zugenommen – über 80 Kilo bei einer Körpergröße von 1,80 m. Bewegungsmangel und Binge-Eating-Attacken haben ihren Tribut gefordert. Meine Ernährung ist seit über einem Jahr überwiegend ungesund: viel Pizza, fettige Wurst, einfache Kohlenhydrate wie Zucker und Semmeln. Mein Antrieb ist so massiv beeinträchtigt, dass ich es einfach nicht mehr schaffe, mir etwas zu kochen und ich daher auf schnelles und damit ungesundes Essen zurückgreife. Das muss sich ändern. Ich möchte nicht wieder in meine atypische Magersucht verfallen, aber ich habe bereits wieder diesen Gedanken im Kopf, massiv abzunehmen. Ein Teufelskreis, der sich immer wieder schließt.
Die ersten Schritte – und warum sie so viel bedeuten
Trotz allem: Die letzten Tage haben mir gezeigt, dass ich es schaffen kann. Dass ich die inneren Dämonen – wenn auch nicht vollständig – ein Stück weit besiegen kann. Ich habe es geschafft, kleine Touren zu walken. Ich habe es geschafft, wieder vor die Tür zu gehen. Und ich nehme mir vor, nächste Woche weiterzumachen. Das Wetter soll mitspielen und ich will darauf aufbauen. Es ist kein großer Sieg über die Dämonen, denn sie beeinflussen meinen Alltag noch immer stark.
Diese kleinen Touren, die ich in etwa einer Stunde gehe, schlauchen mich sehr – körperlich, aber vor allem psychisch. Niemand, der nicht selbst mit Depressionen lebt, kann das wirklich nachvollziehen – wie auch? Hätte ich diese Erkrankung nicht selbst, ich könnte es mir nicht vorstellen, wie sehr der Antrieb fehlen kann. Dass selbst das Duschen sich anfühlt, als hätte man einen ganzen Tag auf der Baustelle geschuftet. Genau das macht es so anstrengend. Aber ich möchte festhalten, was ich geschafft habe. Ich möchte anerkennen, dass auch ich stark sein kann. Dass ich den inneren Dämonen die Stirn bieten kann – auch wenn es mich enorme Kraft kostet. Ich hoffe, dass ich das, was ich mir für die kommende Woche vorgenommen habe, auch umsetzen kann. Ich will an mich glauben. Die ersten Schritte sind getan und oft ist genau das die größte Hürde.
Bewegung, mein Kater und der Kampf um jeden Tag
Ich merke aber, dass Bewegung – so sehr sie mich momentan auch anstrengt – die beste Medizin ist. Die stärkste Waffe gegen meine inneren Dämonen ist, neben meinem kleinen Schatz – meinem über alles geliebten Kater – die Bewegung. Kein Antidepressivum, kein Medikament hat diese Wirkung wie Bewegung. Auch wenn sie nur kurzfristig hilft und ich jeden Tag aufs Neue kämpfen muss, um diese Waffe überhaupt einsetzen zu können. Aber allein das Wissen, dass ich mich für ein paar Stunden besser fühlen kann, gibt mir oft die Kraft, mich gegen die Dämonen zu stellen. In diesem Sinne hoffe ich, dass ich mein Vorhaben, mich langsam wieder an größere Touren zu wagen, umsetzen kann. Ich weiß, dass es meinem Körper guttut. Ich weiß, dass es meiner Psyche guttut. Und ich hoffe, dass es nicht wieder in einen Zwang ausartet. Denn noch fühlt es sich weniger nach Genuss, mehr nach Pflicht an.
Ich habe wieder einen langen Weg vor mir. Meine Dämonen flüstern mir bereits ins Ohr, dass auf der Waage mindestens eine 63 stehen muss – also gut 20 Kilo weniger. Sie flüstern mir, dass das bis spätestens Dezember erledigt sein muss. Und genau das macht es wieder zu Stress. Aber vielleicht kann ich auch diesen Stimmen etwas entgegensetzen. Ich weiß es nicht. Mehr als abwarten bleibt mir nicht. Bis dahin sehe ich es als Erfolg, mich gegen die Antriebslosigkeit gestemmt zu haben – und es geschafft zu haben.
Habt noch einen angenehmen Tag,
Euer Patrick
(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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