
Was passiert, wenn man Hilfe sucht und stattdessen auf Unwissen, Ignoranz und Systemversagen trifft? Wenn man sich in die Hände von Fachleuten begibt, die keine Ahnung von dem haben, was man gerade durchlebt? Mein Entzug von Zopiclon und Diazepam im Bezirkskrankenhaus Kempten war kein medizinisch begleiteter Weg in die Stabilität. Es war ein Kampf gegen die Wand – gegen eine Klinik, die den Begriff „psychiatrische Versorgung“ offenbar sehr eigen definiert.
Es gibt Erlebnisse, die brennen sich nicht nur ins Gedächtnis, sondern tief in den Körper. Mein Entzug von Zopiclon und Diazepam im Jahr 2018 war genau so ein Erlebnis. Und wenn ich heute darüber schreibe, dann nicht, weil ich es verarbeitet habe, sondern weil ich es nicht vergessen kann.
Herzrasen, Blutdruckkrisen und das große Wegsehen
Ich erinnere mich an Tage, an denen mein Herz raste wie ein Motor ohne Bremse. 160 Schläge pro Minute – und das nicht für ein paar Minuten, sondern stundenlang. Mein Blutdruck? 230 zu 130. Ich dachte, ich kippe jeden Moment um. Ich hatte Todesangst. Und was bekam ich? Schulterzucken. Oft nicht einmal ein Notfallmedikament. Man sagte: „Das ist nur eine Panikattacke.“ Nein, das war nicht nur eine Panikattacke, das war Entzug pur. Das waren klassische Symptome von einem Entzug von Zopiclon und Diazepam. Kein ernsthaftes Gespräch. Stattdessen wurde alles auf „psychosomatisch“ geschoben. Als wäre das ein Freifahrtschein, um nicht hinsehen zu müssen.
Entzug von Zopiclon und Diazepam: Psychosomatisch heißt nicht eingebildet
Ich habe nie verstanden, warum „psychosomatisch“ so oft als Abwertung oder harmlos benutzt wird. Als ob das bedeuten würde, man bilde sich alles nur ein, als wäre das alles nicht so schlimm. Dabei sind psychosomatische Symptome messbar, spürbar, real. Mein Herzrasen war nicht metaphorisch oder harmlos, mein Blutdruck war nicht symbolisch, er war gefährlich hoch. Mein Körper hat geschrien und niemand hat hingehört. Man hat es einfach ignoriert. Man stempelte mich als schwierig ab. Und wenn ich erwähnte, dass ich das fast nicht mehr aushalte und kurz vorm Durchdrehen bin, bekam ich salopp die Antwort: „Na, Herr Schindler, dann wissen Sie ja, was passiert.“ Damit meinte man nicht, man würde mir helfen, nein, das war darauf bezogen, dass man mich dann eben fixiert.
Der Diazepam-Fehler: zweimal falsch ausgeschlichen
Man gab mir Diazepam – 10 mg – und schlich es in vier Wochen aus. Vielleicht zu schnell. Vielleicht viel zu schnell. Zwei bis drei Tage nach dem letzten Tropfen kam der Zusammenbruch. Da war ich schon wieder zu Hause. Extreme Entzugserscheinungen und Suizidgedanken. Als ich dann wieder in der Psychiatrie landete, gab man mir wieder Diazepam. Wieder 10 mg. Wieder vier Wochen Ausschleichen. Und das auf der Annahme, ich hätte bestimmt zu Hause wieder Zopiclon eingenommen oder sogar Diazepam. Diazepam hatte ich aber noch nicht einmal zu Hause und Zopiclon ganz sicher nicht wieder eingenommen. Vorher mal danach gefragt? Von wegen. Und wieder das gleiche Spiel. Wenigstens hatte man die korrekte Equivalenzdosis genommen. Darauf angesprochen, warum ich wieder Diazepam bekam, antwortete man mir lapidar: „Ja, wir dachten, Sie hätten was eingenommen. Ist jetzt auch egal, dann sind eben vier Wochen in den Sand gesetzt.“ Na, danke schön – für nichts. Klar, man kann die Krankenkasse ja auch schröpfen. Jeder Tag bringt bares Geld.
Das Ashton Manual: mein Rettungsanker während dem Entzug von Zopiclon und Diazepam
In dieser Zeit stieß ich auf das Ashton Manual – ein Leitfaden für den sicheren Benzodiazepin-Entzug, geschrieben von Prof. Heather Ashton. Es war das erste Mal, dass ich mich verstanden fühlte. Dass jemand die Symptome ernst nahm. Dass jemand sagte: Du bist nicht verrückt. Du bist im Entzug. Und das ist verdammt hart. Ohne dieses Manual hätte ich wirklich noch geglaubt, dass das alles nur psychosomatisch ist und nicht der Entzug. Oft sagte man mir, das könne nicht vom Entzug kommen. Das Ashton Manual: Das sind genau die typischen Symptome. Und Prof. Dr. Heather Ashton weiß, wovon sie da redet, denn diese Frau hat viele Jahre eine Entzugsklinik geleitet.
BKH Kempten: Psychiatrie ohne psychiatrisches Verständnis?
Ich war im Bezirkskrankenhaus Kempten. Und ich sage es offen: Die psychiatrischen Abteilungen dort waren für mich ein Desaster. Assistenzärzte aus der Neurologie oder Allgemeinmedizin, die wenig Ahnung von psychischer Gesundheit hatten, behandelten Menschen mit schwersten seelischen Erkrankungen. Es war, als würde man einen Zahnarzt in die Herzchirurgie schicken. Erst, als ich auf die psychosomatische Station kam, fühlte ich mich zum ersten Mal aufgehoben. Mein besonderer Dank geht an das Pflegepersonal. Sie hörten zu. Aber die ärztliche Betreuung? Katastrophal. Eine Ärztin wollte mir ein Antidepressivum aufdrücken. Ich vertrug es nicht, mein Herzrasen wurde nur noch schlimmer. Sie meinte: „Wenn Sie das jetzt nicht nehmen, dann bin ich Ihnen böse.“ Ich erwiderte, dass mir das herzlich egal ist, welche Gemütsstimmung sie dann hat, sie müsse es ja schließlich nicht einnehmen und mit den Nebenwirkungen leben. Darauf meinte sie, dass sie hin und wieder auch mal Medikamente ausprobieren würde. Ja, ist klar. Abgehakt. Ich nahm es natürlich nicht mehr ein und das war die beste Entscheidung. Vor allem hatte ich dieses Medikament schon einmal, es half mir nicht und hatte nichts als Nebenwirkungen.
Warum ich das schreibe
Ich schreibe diesen Text nicht, um abzurechnen. Ich schreibe ihn, weil ich glaube, dass solche Erfahrungen sichtbar gemacht werden müssen. Damit andere – und vielleicht auch Pflegepersonal und Ärzte – vorbereitet sind. Damit man endlich versteht, wie tiefgreifend und gefährlich ein Entzug sein kann, dass Zopiclon hochabhängig macht und wie wenig manche Einrichtungen darauf vorbereitet sind.
Wenn du Ähnliches erlebt hast – schreib mir oder lass einen Kommentar da. Lass uns darüber sprechen. Denn Schweigen hilft niemandem. Aber Ehrlichkeit vielleicht schon.
Euer Patrick
(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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