
Vor knapp zwölf Jahren erschien im Spiegel Wissen ein Artikel über meine Geschichte. „Krieg im Kopf“ – so lautete der Titel. Damals war ich mittendrin in diesem Krieg und ich dachte, vielleicht würde ich ihn irgendwann gewinnen. Heute, über ein Jahrzehnt später, bin ich noch immer da. Aber ich bin müde. Nicht besiegt, aber auch nicht siegreich. Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um Hoffnung zu verbreiten. Ich schreibe ihn, weil ich ehrlich sein will.
Was damals war
Der Artikel beschrieb, wie sich mein seelischer Schmerz in körperliche Qualen verwandelte. Wie ich in einer Klinik Zuflucht suchte, weil ich nicht mehr weiter wusste. Ich sprach von einer „Stange aus Eisen“, die sich durch meinen Körper bohrte – ein Bild, das viele berührt hat. Für mich war es keine Metapher. Es war mein Alltag.
Was der Artikel „Krieg im Kopf“ ausgelöst hat
Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, meine Geschichte gedruckt zu sehen. Es war surreal. Ich fühlte mich gesehen – aber auch irgendwie ausgestellt. Viele Menschen haben mir damals über meinen damaligen Blog geschrieben, sich bedankt, ihre eigenen Geschichten geteilt. Das war schön. Und gleichzeitig war es schwer. Denn während andere Hoffnung in meinen Worten fanden, verlor ich sie langsam selbst.
Was sich verändert hat – und was geblieben ist
Ich habe vieles versucht. Therapien, Gespräche, Rückzüge. Ich habe geschrieben, geschwiegen, gehofft, gezweifelt. Und ich bin noch hier. Aber nicht, weil ich kämpfe. Sondern weil ich einfach nicht verschwunden bin. Der Schmerz ist nicht weg. Die Erschöpfung ist tief. Und manchmal frage ich mich, ob es überhaupt noch um Kampf geht oder nur ums Aushalten.
Warum ich trotzdem schreibe
Vielleicht, weil ich nicht anders kann. Vielleicht aber auch, weil Worte das Einzige sind, was mir noch bleibt. Ich schreibe nicht, um zu motivieren. Ich schreibe, um zu zeigen, dass es auch diese Seite gibt: Die stille, müde, erschöpfte. Die Seite, die nicht mehr kämpfen will, aber trotzdem existiert. Und vielleicht ist allein das schon ein Statement.
Was ich mir wünsche
Vielleicht einfach nur Ruhe. Ein bisschen Frieden im Kopf. Ein Moment, in dem ich nicht gegen mich selbst sein muss. Ich weiß nicht, ob er kommt. Aber ich weiß, dass ich ihn mir wünsche.
Artikel im Spiegel Wissen: Krieg im Kopf
Auf der Seite der Panorama Fachklinik in Scheidegg könnt ihr den Artikel lesen: PDF anzeigen
Quelle: Spiegel Wissen – Krieg im Kopf vom 11.11.2013 – Onlineausgabe
Bildquelle: Scan aus der eigenen Spiegel Wissen Zeitschrift Nr. 4/2013 Seite 64

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