
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte, sondern weil es ein sehr sensibles Thema ist. Aber ich finde, dass gerade, wenn es um Social Media geht, einiges gesagt werden muss. Nicht um zu spalten oder abzuwerten, sondern um Verständnis für psychische Erkrankungen zu schaffen. In sozialen Medien wird viel über psychische Gesundheit gesprochen – oft gut gemeint, manchmal oberflächlich. Besonders der Begriff „Trauma“ taucht immer häufiger auf, doch nicht immer mit dem nötigen Verständnis. Als jemand, der seit Jahrzehnten mit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung lebt, möchte ich meine Sicht auf diese Entwicklung teilen. Dieser Beitrag ist kein Angriff, sondern ein Versuch, Klarheit zu schaffen: Trauma ist kein Trend!
Wenn Trauma zum Trend wird – und echte Betroffene unsichtbar bleiben
In den letzten Jahren ist mir auf verschiedenen Social-Media-Plattformen aufgefallen, wie oft der Begriff „Trauma“ verwendet wird. Es gibt unzählige Beiträge, Videos und Zitate, die sich mit dem Thema posttraumatische Belastungsstörung beschäftigen. Manche meinen es ernst, andere nutzen den Begriff eher beiläufig. Für viele scheint Trauma zu einem Schlagwort geworden zu sein, das Aufmerksamkeit erzeugt, Klicks und Follower generiert. Einige, die sich einfach nur mal abgeschlagen fühlen, diagnostizieren sich selbst eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine andere psychische Erkrankung, obwohl sie selbst noch nie eine psychiatrische Praxis von innen gesehen haben. Ich weiß, dass ich mit diesem Beitrag polarisieren werde, aber es ist mir wichtig, einiges klarzustellen. Denn solche Trends lassen uns, die wegen einer PTBS schon über Jahrzehnte in psychiatrischer Behandlung sind, in einem völlig falschen Licht erscheinen.
Für mich ist Trauma etwas anderes. Es ist keine Phase, kein Lifestyle und auch kein Thema, das man nebenbei behandelt, um Klicks und Follower zu bekommen. Es ist eine schwere psychische Belastung, die das Leben komplett verändert. Man funktioniert anders, denkt anders, fühlt anders. Und das nicht für ein paar Tage oder Wochen, sondern oft über viele Jahre oder über das ganze Leben hinweg.
Was Trauma wirklich bedeutet – und warum Sensibilität so wichtig ist
Ich sehe immer wieder Inhalte, in denen Trauma fast schon inszeniert wird. Als wäre es etwas Besonderes oder Interessantes. Dabei ist es für Betroffene wie mich meist genau das Gegenteil. Es ist anstrengend, belastend und oft schwer zu erklären. Viele kämpfen täglich damit, ohne dass es jemand merkt. Und genau deshalb finde ich es problematisch, wenn Trauma auf Social Media wie ein Trend behandelt wird.
Natürlich gibt es auch gute Beiträge. Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, um anderen zu helfen, aufzuklären oder einfach um ihr Schweigen zu brechen. Das ist wichtig und sinnvoll. Aber es gibt eben auch die andere Seite: Inhalte, die oberflächlich bleiben oder sogar verharmlosen, was Trauma wirklich bedeutet. Und ganz problematisch sind diejenigen, die sich selbst diagnostizieren. Nicht nur für uns Betroffene, sondern auch für diejenigen selbst. Nicht jede Traurigkeit ist eine psychische Erkrankung und schon gar nicht eine posttraumatische Belastungsstörung. Viele Betroffene von posttraumatischer Belastungsstörung fühlen sich noch nicht mal traurig, so wie ich – wir spüren einfach überhaupt keine Gefühle mehr. Wir sind innerlich tot, fühlen uns einfach nur unendlich leer.
Ich wünsche mir, dass man mit dem Thema sensibler umgeht. Dass man nicht alles posten muss, nur weil es gerade gut ankommt. Und dass man sich bewusst macht, dass hinter dem Wort „Trauma“ echte Geschichten stehen. Geschichten, die nicht für Likes geschrieben wurden, sondern weil sie Teil eines Lebens sind.
Ich schreibe diesen Text, weil mich das Thema beschäftigt. Weil ich selbst betroffen bin. Und weil ich finde, dass man darüber sprechen sollte – aber mit Respekt und ohne Inszenierung.
Euer Patrick
(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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