
Antidepressiva gelten als Hoffnungsträger in der Behandlung psychischer Erkrankungen – und doch sind sie für viele Betroffene ein zweischneidiges Schwert. In diesem Beitrag teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen mit einer Vielzahl von Psychopharmaka, die ich über viele Jahre hinweg eingenommen habe. Es geht um Nebenwirkungen und um die Frage, ob Hilfe manchmal selbst zur Belastung wird.
Rauchen kann tödlich sein, Antideprssiva auch
Jeder kennt den Warnhinweis auf Zigarettenpackungen: „Rauchen kann tödlich sein.“ In vielen Ländern werden diese Hinweise zusätzlich mit drastischen Bildern untermalt. Bei Antidepressiva hingegen finden sich vergleichbare Warnungen allenfalls im Kleingedruckten der Packungsbeilage – dabei zeigen medizinische Studien schon länger, dass bestimmte Wirkstoffe ebenfalls lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben können.
Ein bekanntes Beispiel ist die Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, die bei einigen Antidepressiva wie Citalopram auftreten kann. Sie erhöht das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen, sogenannte Torsade de pointes – und im schlimmsten Fall kann das tödlich enden. Auch über Suizide nach Einnahme von Antidepressiva – vor allem Fluoxetin (in den USA auch als Prozac bekannt) – gibt es einige Berichte.
Persönliche Erfahrungen mit Nebenwirkungen
Ich habe im Laufe vieler Jahre verschiedene Antidepressiva, Neuroleptika, Antikonvulsiva, Phenylethylamine und andere Psychopharmaka ausprobiert. Bei fast allen hatte ich mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Hier einige der Medikamente, die ich erhalten habe – zum Teil mehrfach:
- Amitriptylin
- Brintellix
- Citalopram
- Cipralex
- Chlorprothixen
- Dominal
- Elontril
- Fluoxetin (auch bekannt als Fluctine in den USA Prozac)
- Idom
- Lamotrigin
- Lyrica
- Lithium
- Maprotilin
- Melperon
- Mirtazapin
- Medikinet Adult
- Moclobemid
- Opipramol
- Pipamperon
- Promethazin
- Sertralin (früher auch Zoloft)
- Seroquel
- Trazodon
- Trimipramin
- Tianeurax (Wirkstoff: Tianeptin)
- Venlafaxin
- Valdoxan
und noch so einige mehr, deren Name mir zur Zeit nicht mehr einfällt
Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, sexuelle Funktionsstörungen, innere Unruhe, Benommenheit – wie Nebel oder Watte im Kopf – oder eben die Herzbeschwerden traten unter vielen dieser Medikamente auf. Der Besuch beim Kardiologen brachte mir leider keine Klarheit, da ich zu dem Zeitpunkt keine akuten Symptome hatte. Doch die Beschwerden kamen bei anderer Medikation immer wieder zurück.
Medikamente mit geringer Wirkung
Ich bekam auch Präparate, die kaum Wirkung zeigten und glücklicherweise nur wenige Nebenwirkungen. Allerdings führten die Schlafmittel (Z-Substanzen) und Benzodiazepine zu einer körperlichen Abhängigkeit – mit einem anschließenden Horror-Entzug, der sich über ein halbes Jahr im Jahr 2018 erstreckte. Zu diesen Medikamenten gehörten:
- Johanniskraut
- Tavor und Diazepam ( Benzodiazepine)
- Zolpidem und Zopiclon (Schlafmittel – Z-Substanzen)
Aktuell nehme ich Mirtazapin, Melperon und Chlorprothixen – doch auch hier spüre ich keinerlei Verbesserung der Depression. Nehme diese Medikamente auch nur noch wegen der Schlafstörung ein, ohne würde ich überhaupt keinen Schlaf finden.
Die Schattenseite der Therapie
Ich habe oft darüber nachgedacht, die Einnahme ganz zu beenden. Die ständige Gewichtszunahme, die träge Stimmung und das Gefühl, in einem Nebel aus Nebenwirkungen zu leben, zehren an mir. Doch ohne diese Giftpillen finde ich keinerlei Schlaf. Nach meinem Entzug im Jahr 2018 nahm ich nur noch Mirtazapin und in den folgenden Jahren kamen dann Melperon dauerhaft und Chlorprothixen bei Bedarf hinzu, da der Schlaf einfach immer schlechter wurde. Ich bin schon fast davon überzeugt, dass man von Antidepressiva und Neuroleptika eine gewisse körperliche Abhängigkeit entwickelt und deswegen die Wirkung – bei mir auf den Schlaf – abnimmt. Auf jeden Fall hat man beim Absetzen von Antidepressiva teilweise massive körperliche Entzugsymptome, die sich über Wochen, bei manchen Monate hinziehen können.
Antidepressiva sollen helfen – aber sie können auch belasten. Was sie mit einem machen, ist oft nicht vorhersehbar. Ich warte immer noch auf den Tag, an dem sich meine inneren Schatten ein wenig lichten.
(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

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