Suizid und Depression: Wenn der Mensch am Abgrund steht

Person in dunklem Raum mit Katze auf dem Schoß, nachdenklich und still

Dieser Text ist kein Hilferuf und auch keine Klage. Es ist das, was bleibt, wenn Worte das Einzige sind, was zwischen einem selbst und dem Abgrund steht. Ich schreibe über Erfahrungen, die nicht leicht zu greifen sind – über Depression, Suizidgedanken, familiäre Wunden und den täglichen Überlebenskampf. Es ist ein persönlicher Rückblick, ein ehrlicher Blick in meine Innenwelt, die oft dunkel ist – aber nicht ohne Bedeutung. Vielleicht findet sich jemand darin wieder. Manches lässt sich nicht sagen – aber vielleicht ein Stück weit fühlbar machen..

Ein Mensch, der für sich und sein Leben keinen Sinn mehr sieht, steht sehr oft am Abgrund seines Daseins und erkennt für seine Zukunft keinerlei Perspektiven mehr. Dieser Zustand tiefster Verzweiflung ist meist nicht einfach vom Himmel gefallen – er wird in den meisten Fällen durch eine schwere seelische Erkrankung ausgelöst, die wiederum ihren Ursprung in einer Vielzahl an negativen Erfahrungen und Traumata in der Vergangenheit hat. Es entstehen eingeschliffene Verhaltens- und Denkmuster, die sich irgendwann wie ein zweites Ich in einem einnisten. So war und ist es auch bei mir – und bei meinem Bruder Torsten, der sich vor nunmehr 29 Jahren das Leben nahm.

Mein Bruder Torsten vergiftete sich mit Zyankali

Als Torsten sich das Leben nahm, brach in mir alles zusammen. Unsere Kindheit war schon zuvor alles andere als heil – Gewalt, seelische Misshandlung und Erniedrigung waren an der Tagesordnung. Doch an jenem 1. Juli 1996, exakt vier Wochen vor meinem 16. Geburtstag, wurde mir endgültig der Boden unter den Füßen weggerissen. Mein Bruder wählte den Weg mit Zyankali – im elterlichen Betrieb. Keine Worte, keine Warnung, einfach nur Leere. Die Trauer ist geblieben. Ebenso wie die Wut. Auf meine Eltern. Und auch auf mich selbst. Als Kind bekam ich von unserem Erzeuger alles, was ich wollte – nicht weil er mich liebte, sondern weil er wusste, dass er damit Torsten demütigen konnte. Ich war Werkzeug seiner Grausamkeit. Dass ich deshalb bei vielen oft als das verwöhnte, unsympathische Balg galt, schmerzt bis heute. Und wenn ich heute zurückdenke, wünsche ich mir oft, nie geboren worden zu sein – in der Hoffnung, dass es Torsten dann vielleicht besser ergangen wäre.

Mit 16 Jahren – der erste Suizidversuch

Etwa ein halbes Jahr nach Torstens Tod stand ich selbst am Rand des Abgrunds – ich war gerade 16 Jahre alt, als ich zum ersten Mal versuchte, mir das Leben zu nehmen. Der Versuch misslang. Doch viele Jahre später, 2017, holten mich all die unausgesprochenen Gedanken, Gefühle und Schuldzuweisungen wieder ein. Ich war müde, erschöpft, sah keinen Ausweg mehr. In einem Moment tiefer Verzweiflung versuchte ich erneut, mir das Leben zu nehmen – diesmal in der Badewanne. Ich hatte mir den Duschschlauch um den Hals gelegt. Doch noch bevor mir die Luft endgültig wegblieb, überkam mich eine Panikattacke – mein Körper rebellierte gegen den Tod. Ich konnte mich noch befreien. Ich lebe. Immer noch.

Warum ich noch da bin

Vielleicht bin ich noch da, weil mir das Leben – so zerrissen es oft auch wirkt – doch noch eine Aufgabe gegeben hat: meinen Kater. Er ist keine Randnotiz in meinem Alltag, sondern ein Lebewesen, das mich braucht. Jemand, der auf mich wartet, mir vertraut, ohne Fragen zu stellen. Seine Nähe, sein leises Schnurren, sein Blick, wenn ich durchhänge – das alles bindet mich ans Leben, selbst wenn ich mich selbst darin nicht mehr wiederfinde.

Und vielleicht ist da auch noch etwas anderes, tief in mir verborgen: ein Funken Überlebensinstinkt. Nicht aus Hoffnung oder Mut, sondern eher aus Angst. Angst vor dem Sterbeprozess selbst. Vielleicht ist es diese diffuse Furcht, die mich zurückhält, wenn alles in mir nach Ruhe schreit. Sie ist kein Rettungsanker, aber vielleicht doch ein letzter Reflex des Körpers, sich am Leben festzukrallen, auch wenn die Seele längst müde ist.

Passive Suizidalität und Todeswünsche

Und so liege ich oft abends da und wünsche mir, einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen. Kein Drama, kein Blut, kein Abschied – einfach weg, ruhig, endlich frei. Doch jeden Morgen wache ich wieder auf. Und alles beginnt von vorn. Diese Gedanken kosten Kraft – Kraft, die man als Depressiver kaum aufbringen kann. Und trotzdem stehe ich jeden Tag wieder auf. Mal für mich, mal für andere und einfach mal nur, weil ich noch atme.

Der Alltag am Abgrund

Ich lebe – wenn man es so nennen möchte – mit einem Fuß ständig am Rand meines persönlichen Abgrunds. Tief und dunkel ist er. Und ich habe keine Ahnung, ob ich je wieder festen Boden spüren werde. Aber ich bin noch da. Und vielleicht ist das – zumindest heute – genug.

Euer
Patrick

(Bild wurde mit KI von Microsoft Copilot generiert)

Wenn du selbst mit Gedanken an Suizid kämpfst oder unter Depressionen leidest, dann wende dich bitte an eine professionelle Beratungsstelle oder den telefonischen Notdienst der Seelsorge:

www.telefonseelsorge.de

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