Depression: Mein Weg in die Erwerbsunfähigkeitsrente

Leerer Sessel in einem schlichten Raum bei weichem Licht

Was passiert, wenn die Seele nicht mehr mitmacht? Wenn der Alltag zur Last wird und der Lebenslauf von Brüchen und Rückschlägen geprägt ist? In diesem Beitrag erzähle ich meine persönliche Geschichte – ehrlich, ungeschönt und mit offenem Herzen. Wie mich die Depression seit meiner Kindheit begleitet, wie traumatische Erlebnisse mein Leben geprägt haben und wie ich schließlich mit 33 Jahren in Frührente ging. Vielleicht findet sich jemand in meinen Worten wieder – vielleicht hilft es, zu verstehen, dass man mit diesen Kämpfen nicht allein ist.

Depression: Frührente mit 33

Meine Depression begann schon in der Kindheit. Doch als 1996 – vier Wochen vor meinem 16. Geburtstag – mein über alles geliebter Bruder durch Selbsttötung starb, brach meine Welt endgültig zusammen. Es riss mir den Boden unter den Füßen weg, und von Jahr zu Jahr rutschte ich tiefer in diese Dunkelheit.

Ich habe all die Jahre versucht, die negativen Gedanken zu verdrängen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Aber vermutlich war das der falsche Weg. Ich habe die Trauer um meinen Bruder nie wirklich verarbeitet. Dazu kommen die schlimmen Erlebnisse meiner Kindheit und viele Enttäuschungen und Rückschläge im Erwachsenenleben. Irgendwie habe ich nie wirklich etwas geschafft. Alles entglitt mir nach einiger Zeit. Ich war unfähig, eine erfüllende Beziehung zu führen, unfähig, einen Beruf zu erlernen.

Immer wenn ich dachte, es läuft endlich gut, kam dieses verdammte schwarze Loch zurück. Ich brach meine Lehre als Anlagentechniker ab, Beziehungen scheiterten, und immer stand ich mir selbst im Weg. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich: Ich habe nichts erreicht. Ich bin arm wie eine Kirchenmaus und seit 2012 in Frührente – mit damals gerade mal 33 Jahren.

Der Weg zur Erwerbsunfähigkeitsrente

Ich glaube, das dunkle Tal begann 2006, als ich bei einem Spediteur anfing, dem Expressdienst TNT. Dort wurden alle möglichen Waren ausgeliefert – mit extremem Zeitdruck. Die Arbeitstage begannen um 6 Uhr morgens und endeten oft erst gegen 20 Uhr. Ich rannte mir die Seele aus dem Leib und bekam fast wöchentlich Bußgelder wegen zu schnellem Fahren oder Überschreiten der Lenkzeiten. Die Führungsetage interessierte das nicht – im Gegenteil: Man wurde noch dafür getadelt. Dass man mit 250–350 Kilometern, über 40 Auslieferungen und über 20 Abholungen am Tag das Pensum ohne zu rasen gar nicht schaffen konnte, interessierte niemanden.

Nach einem halben Jahr kamen die ersten körperlichen Symptome: Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Sekundenschlaf während der Fahrt, kreisrunder Haarausfall. Mein Hausarzt schrieb mich krank und riet mir dringend, den Job aufzugeben. Das tat ich nach ein paar Wochen auch und fing an einer Tankstelle als Verkäufer an.

Hoffnungsschimmer – und Rückfall

Anfangs gefiel es mir dort, aber durch die ausschließlichen Abend- und Wochenendschichten hatte ich bald kaum noch ein Privatleben. Kein Urlaub, schlechte Bezahlung – irgendwann war ich einfach ausgebrannt. Nach etwa 1,5 Jahren wechselte ich nahtlos zu DPD. Auch dort war es stressig, aber die Stimmung war gut. Man hatte eine feste Tour und war gegen 16–17 Uhr fertig – sofern man seine 150+ Auslieferungen in zwölf Stunden schaffte. Doch auch hier: keine Pausen, miserable Bezahlung – brutto rund 4,50 Euro die Stunde.

Eines Morgens knickte ich auf der Tour um – Bänderriss. Trotz Krankschreibung fuhr ich noch 14 Tage weiter, was mein Fuß mir übelnahm. Als ich dann doch zwei Tage zu Hause blieb, wurde ich prompt gekündigt. Das war Ende 2008.

Selbstständigkeit – Freiheit mit Folgen

Im Frühjahr 2009 machte ich mich als Kleintransportunternehmer selbstständig. Ich war frei, konnte selbst entscheiden und fühlte mich gut. Doch der Stress war enorm. Ich fuhr teilweise 62 Stunden am Stück, um alles zu schaffen. Ab 2010 kamen wieder körperliche Symptome. Erst Schlaflosigkeit, dann dauerhafte innere Anspannung.

Im Juli 2010 starb, Gott sei Dank, mein Erzeuger. Einen Monat später trennte sich meine damalige Lebensgefährtin. Im September gingen die Aufträge zurück, mein Geschäft brach ein. Die Depression war wieder da, lauter als je zuvor. Am 1. Januar 2011 starb dann auch noch meine geliebte Oma. Danach ging es endgültig bergab.

Der Weg in die Frührente

Ab Januar 2011 schrieb mich mein damaliger Psychiater krank – bis August 2012 war ich durchgehend krankgeschrieben. Ich lebte in dieser Zeit von Hartz IV, und erstaunlicherweise meldeten sich Krankenkasse oder Amt lange Zeit nicht.

Im August 2012 musste ich dann erstmals zu einem Gutachter. Das Urteil: nicht mehr arbeitsfähig. Damit kam alles ins Rollen. Die Deutsche Rentenversicherung schickte mich im Januar 2013 zu einem weiteren Gutachter, der zum gleichen Ergebnis kam: voll erwerbsunfähig.

Die endgültige Rente – und der bittere Beigeschmack

Anfang Juni 2013 erhielt ich endlich den Bescheid: Mein Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente war bewilligt. Da ich zuvor auch einige Jahre in Österreich gearbeitet hatte, musste ich dort zusätzlich einen Antrag stellen. Die erste Bewilligung aus Österreich kam im Sommer 2013 – befristet bis Februar 2015.

Seit 2016 erhalte ich aus Österreich eine unbefristete volle Erwerbsminderungsrente (Pension). Und auch die Deutsche Rentenversicherung stellte meine Rente im Jahr 2022 auf unbefristet um.

Doch wirklich erleichtert bin ich nicht – denn die EU-Renten sind alles andere als auskömmlich. Deshalb musste ich zusätzlich beim Sozialamt Sozialgeld beantragen. Das ist mir unglaublich peinlich und belastet mich seelisch sehr. Ich möchte niemandem zur Last fallen, am allerwenigsten der Solidargemeinschaft.

Gedanken zum Schluss

Ich bin jetzt gerade mal knapp 45 Jahre alt und schon seit 12 Jahren in Rente. Das macht mich traurig. Und hoffnungslos.

Euer
Patrick

(Bild wurde mit AI von Microsoft Copilot generiert)

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