
Manche Geschichten schreibt das Leben – und manche schreibt ein Herz, das untrennbar mit einem anderen Wesen verbunden ist. Die folgenden Zeilen sind mehr als nur Worte. Sie sind ein Blick in mein Innerstes, in eine Beziehung, die tiefer geht als viele je verstehen werden. Es geht um meinen Kater – meinen Begleiter, meinen Halt, meinen Lebenssinn. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er an meiner Seite. Diese Verbindung hat mich durch schwere Zeiten getragen, mir Mut gegeben und mir oft schlicht den Grund geliefert, weiterzumachen.
Dies ist unsere Geschichte. Eine Geschichte über Liebe, Verlustangst, Hoffnung – und darüber, was es heißt, wirklich gebraucht zu werden.
Eine Konstante in meinem Leben
Seit fast 17 Jahren begleitet mich mein Kater – Tag für Tag. Er steht mit mir auf, legt sich mit mir schlafen. Seit fast 17 Jahren ist er die einzige Konstante in meinem Leben. Der Grund, warum ich auf dieser beschissenen Welt überhaupt noch bin. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, jemals ohne ihn zu sein. Mein größter Wunsch ist, ihn noch einige Jahre an meiner Seite zu haben.
Vom Baby bis heute
Ich habe ihn bekommen, als er gerade mal 12 Wochen alt war. In den ersten beiden Tagen war er etwas zurückhaltend, doch als das Eis gebrochen war, kam er jede Nacht zu mir ins Bett, legte sich in meine Arme und schlief dort ein. Drehte ich mich um, kletterte er über mich, um wieder seinen Platz zu finden. Morgens wachte er mit mir auf – abends wieder das gleiche Ritual. Als er etwa ein Jahr alt war, hat sich das etwas gelegt, aber diese ersten Monate haben uns geprägt.
Er war der letzte aus dem Wurf, den niemand wollte. Das Schicksal wollte wohl, dass wir uns finden.
Eifersucht, Trennung und Rückkehr
Mit anderen Katzen kam er nie gut klar. Als meine Ex-Freundin und ich einen zweiten Kater aufnahmen, wurde meiner sichtlich gestresst – er leckte sich das Bäuchlein kahl, zog sich zurück, schlief kaum noch bei mir. Die beiden arrangierten sich irgendwie, aber richtige Freunde wurden sie nie.
Nach der Trennung fing er wieder an, mich regelrecht zu belagern – Couch, Bett – immer an meiner Seite. Besonders nach meinem 8-wöchigen Aufenthalt in der Psychiatrie in Idar-Oberstein und danach 14 Wochen in der Traumaklinik in Bad-Kreuznach im Jahr 2020, wich er mir kaum noch von der Seite. Wie ein kleiner Wächter, der aufpasst, dass ich nicht wieder verschwinde. Nach ein paar Monaten hat sich das wieder normalisiert, aber seitdem weiß ich: Er ist für mich da.
Der Alterungsprozess beginnt
Langsam merkt man es: Er wird alt. Und das triggert in mir eine unfassbare Traurigkeit und Verlustangst. Letzten Sommer begann er weniger zu essen – nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, aber irgendwie anders. Innerhalb von drei Monaten verlor er rund 300 Gramm. Ich ließ alles checken: Blutbild, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Ultraschall, Dentalröntgen, Lunge – das ganze Programm. Alles in Ordnung. Nur das Gebiss: FORL. Eine fiese Zahnerkrankung, die man kaum erkennt. Ich ließ ihn operieren, damit er keine Schmerzen mehr hat.
Danach fraß er wieder besser. Trotzdem verlor er weiter an Gewicht – insgesamt 700 Gramm. An Ostern dann starkes Erbrechen, wieder zum Tierarzt. Blutbild unauffällig, Behandlung angeschlagen, er wurde wieder der Alte. Die Tierärzte meinten, dass der Gewichtsverlust wohl am Alter liegt, da alte Katzen die Nahrung nicht mehr so verdauen und aufnehmen können.
Ernährung, Gewicht und der tägliche Kampf
Da er sein heißgeliebtes Trockenfutter seit letztem Jahr meidet, habe ich komplett auf Nassfutter und seit ein paar Wochen auf Senior-Nassfutter umgestellt. Mehr Kalorien als sein bisheriges Nassfutter und besser verdaulich. Seitdem scheint er sein Gewicht zu halten, manchmal wirkt er sogar kräftiger – das bestätigen auch meine Betreuungskräfte.
Früher habe ich ihn wöchentlich gewogen, mich damit aber selbst und ihn zusätzlich gestresst. Heute lasse ich das – nur noch Gewichtskontrolle beim Tierarzt. Wenn er trotz Fressen abnimmt, kann ich es ja eh nicht verhindern.
Wir hatten schwierige Phasen: Futterwechsel alle paar Tage, plötzlich wieder mäkelig, dann wieder gierig. Aber mittlerweile hab ich den Dreh raus. Ich bleibe hart, ziehe das Futter durch – und siehe da: Napf leer, zufriedener Kater.
Heute und der Blick nach vorn
Jetzt, während ich das schreibe, liegt er schlafend auf seinem Kratzbaum. Später wird er wieder maunzen – das hat zugenommen. Er ist einfach redseliger geworden, was wohl auch mit dem Alter zu tun hat. Verschmust ist er wie eh und je.
Aber der Gedanke an den Abschied verfolgt mich. Ich weiß nicht, wie ich ohne ihn weiterleben soll. Er gibt meinem Leben Struktur, Sinn, Halt. Ich brauche ihn, er braucht mich. Ich würde ihn niemals im Stich lassen.
Wenn der Tag kommt – was ich nicht hoffe –, an dem er erlöst werden müsste, dann werde ich bei ihm sein. Kein Tier sollte allein sterben. Er soll in meinen Armen einschlafen. Aber wünschen würde ich mir für ihn, dass er auf natürliche Weise entschlafen darf – keine Euthanasie. Aber das kann man sich leider nicht wirklich aussuchen.
Wenn der Tag X kommt
Ich habe meine Geschichte – und mit dem Tod komme ich seit dem Suizid meines Bruders überhaupt nicht klar. Ich weiß, dass mich der Verlust von Mäusje tief in ein Loch reißen wird. Doch ich habe einen Notfallplan: mit meiner Betreuung, meiner Psychiaterin, meiner gesetzlichen Betreuung. Sollte es hart auf hart kommen, lasse ich mich selbst einweisen. Ich will keine Zwangseinweisung. Ich will, solange es geht, Herr meiner Lage bleiben.
Manche Menschen sagen: „Es ist doch nur ein Tier.“ Nein. Verdammt, nein. Er ist mein Mittelpunkt, mein Partner, mein Kind, mein Freund, mein Leben. Er ist mein Grund zu leben.
Und ich hoffe, wir haben noch einige gute Jahre vor uns – mit Kuscheleinheiten, Maunzkonzerten und stillen Momenten auf dem Kratzbaum.
Euer Patrick

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