
Schuld und Scham – zwei mächtige Gefühle, die uns tief in unserer menschlichen Erfahrung berühren. Sie schleichen sich oft leise ein, bleiben lange und nisten sich in Gedanken, Körper und Beziehungen ein. In diesem Beitrag möchte ich euch daran teilhaben lassen, welche Schuld- und Schamgefühle mich plagen. Tagein, tagaus. Schuld- und Schamgefühle, die mir schon als Kind sehr bekannt waren.
Schuld
Ich gebe mir die Schuld daran, dass mein Bruder so leiden musste, denn wäre ich nicht gewesen/geboren, hätte unser Erzeuger niemanden gehabt, den er gegen meinen Bruder hätte einsetzen können. Ich gebe mir die Schuld daran, dass ich keine abgeschlossene Berufsausbildung habe. Ich gebe mir die Schuld daran, dass all meine Beziehungen gescheitert sind. Ich gebe mir die Schuld daran, dass ich ganz alleine dastehe und keine sozialen Kontakte pflege. Ich gebe mir die Schuld daran, dass die Solidargemeinschaft für mich aufkommen muss. Ich gebe mir die Schuld daran, dass ich immer noch lebe. Egal was passiert, ich gebe mir die Schuld daran. Sind andere verärgert, gebe ich mir die Schuld daran. Ich gebe mir an allem die Schuld.
Scham
Ich schäme mich dafür, dass mein Erzeuger mich so verwöhnt hat. Ich schäme mich dafür, dass mein Bruder unter mir leiden musste. Ich schäme mich dafür, dass ich nur einen Hauptschulabschluss und keine abgeschlossene Berufsausbildung habe. Ich schäme mich für meinen Körper und mein Aussehen. Ich schäme mich für die Dinge, die ich schon getan oder unterlassen habe. Ich schäme mich dafür, dass ich so bin wie ich bin. Ich schäme mich für all meine Fehler. Ich schäme mich dafür, wie ich rede, für meine Stimme und wie ich aussehe. Ich schäme mich für meine Gedanken. Ich schäme mich dafür, dass ich der Solidargemeinschaft zur Last falle. Ich schäme mich dafür, dass ich in Erwerbsminderungsrente bin. Ich schäme mich dafür, dass ich es noch nicht geschafft habe, mir das Leben zu nehmen. Ich schäme mich für meine Ängste die ich habe. Ich schäme mich für die Ungeduld die ich habe. Ich schäme mich dafür, wie ich esse. Ich schäme mich eigentlich für alles. Kein Tag ohne Scham.

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