Brief von meinem inneren Kind

Ich als kleiner Junge, ca 5 Jahre alt

Manchmal tragen wir in uns eine leise Stimme, die wir im Lärm des Alltags kaum noch hören – die Stimme unseres inneren Kindes. In diesem Beitrag möchte ich genau dieser Stimme Raum geben. Was würde mein jüngeres Ich mir heute sagen? Welche Hoffnungen, Ängste oder Träume schlummern noch immer in seinem Herzen? Dieser Brief ist eine Einladung zur Selbstbegegnung – ehrlich, verletzlich und versöhnlich. Vielleicht erkennst du beim Lesen auch dein eigenes inneres Kind wieder.

Hallo Patrick, mein erwachsenes Ich.

Sehr lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Ich hatte die Hoffnung jedoch schon aufgegeben und doch kam er. Der Moment, in dem du mich wieder gesehen und wahrgenommen hast. Endlich hast du bewusst darauf zurückgeblickt und gesehen, welcher Tyrannei ich viele Jahre ausgesetzt war. Welche seelische und körperliche Schmerzen ich ertragen musste. Endlich hast wenigstens du mir deine starken Hände und Arme gereicht, die ich so dringend nötig habe.

Du suchst immer nach dem Gefühl der Geborgenheit, der Heimat oder wie wir sagen „nach Geheischnis“. Glaube mir, nicht du suchst danach, sondern ich. Ich bin es, der diese Geborgenheit und dieses Heimatgefühl, dieses endlich ankommen und beschützt sein sucht. Du fühlst dich ständig innerlich leer, unter Strom, genervt, aggressiv, unter Druck, wei ein Dampfkessel kurz vorm Explodieren, kalt, emotional erstarrt, ohne Gefühle, depressiv, antriebslos, müde, erschöpft, angespannt, nervös, hast Bauch- und Kopfschmerzen; all das sind meine unterdrückten Gefühle. All das sind Gefühle, die ich damals, wie heute, nicht zeigen durfte. Das sind Gefühle wie Wut, Trauer, Angst, Ärger, Freude und Ekel. Du hast dich 2018 gefragt, warum du auf einmal Panikattacken hattest. Wie sonst hätte ich dir zeigen sollen, was mit mir los ist? Jahrelang hast du alles mit Alkohol oder Medikamenten betäubt. Und jetzt tust du es eben mit dem Wandern. Aber keine Sorge, ich nehme dir das nicht übel, denn schon ich war als Kind emotional abgestumpft. Aber nur du kannst mir zeigen und mich fühlen lassen, was diese Gefühle bedeuten undwie sie sich anfühlen, wenn ich sie fühlen und ausleben darf. All diese Gefühle sind uns in die Wiege gelegt. Du musst sie wecken und vor allem zulassen. Du musst mich zulassen. Du musst akzeptieren, dass ich mich melde und gehört, als auch gesehen werden möchte. Zeig mir die Welt und vor allem was es bedeutet zu fühlen und diese Gefühle auch ausleben zu dürfen. Ausleben zu können, ohne Angst vor Bestrafung. Zeig mir die Welt ohne Perfektionismus, denn ich möchte so einzigartig und vielfältig sein, wie ich geboren wurde und nicht wie diese Marionette, zu der ich von den Alten gemacht wurde. Lass auch du dir das heute nicht mehr gefallen. Ich strecke dir meine Ärmchen und kleine Pattschehändchen entgegen, in der Hoffnung, von dir getragen und beschützt zu werden. Zeig mir all das, was ich nicht erleben durfte. Nimm mich in die Arme, wenn es mir schlecht geht und tröste mich.

Bis bald, dein kleines Ich, dein bezaubernder, süßer, hübscher und aufgeweckter kleiner Bub.

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